Standardeinhaltung

Fragen und Antworten zu den Arbeitnehmer-Hotlines

Vor über zwei Jahren beauftragte der adidas Konzern unabhängige chinesische Nicht-Regierungsorganisationen als Ansprechpartner für Beschäftigte in der Beschaffungskette des adidas Konzerns. Das China Labour Support Network (CLSN) führte seine Hotline 2008 ein, und Handshake – eine neu gegründete Nicht-Regierungsorganisation in Südchina – startete die zweite Hotline im Jahr 2010. Beschäftigte von mehr als 400 Betrieben (einschließlich direkter und indirekter Zulieferer) haben Zugang zu diesen Hotlines.

Derek Wang, Senior SEA Compliance Manager

Derek Wang ist als Senior SEA Compliance Manager in unserer lokalen Niederlassung im chinesischen Guangzhou tätig und kümmert sich um die Arbeitnehmer-Hotlines. Im Folgenden erklärt er, wie wichtig diese Hotlines sind, um den Umfang der Verstöße in den Betrieben zu erkennen und Arbeitnehmern weiterzuhelfen.

F: Inwieweit unterstützen die Arbeitnehmer-Hotlines Ihrer Meinung nach den adidas Konzern beim Schutz der Rechte der Arbeitnehmer?

A: Die Hotlines geben uns die Möglichkeit, die Arbeitnehmer über Gesetze und Arbeitsschutz zu informieren. So lernen sie ihre Rechte kennen und auch die richtigen Verfahren, um sich selbst vor Gefahren am Arbeitsplatz zu schützen. Wir können bei Konflikten zwischen den Beschäftigten und der Geschäftsleitung eingreifen. Die Hotlines schaffen eine Plattform, über die die Arbeitnehmer Lösungen diskutieren können, bevor sie rechtliche Schritte gegen den Betrieb einleiten. Darüber hinaus unterstützen wir die Betriebsleitung bei der Verbesserung der internen Beschwerdesysteme, um so das Konfliktrisiko zu mindern und dem erneuten Auftreten eines Konfliktes vorzubeugen.

F: Wie schützen Sie die Arbeitnehmer vor Repressalien, wenn sie Beschwerden über die Hotline vorbringen?

A: Mit den Dienstleistern wurde vorab eine Vertraulichkeitsvereinbarung geschlossen. Die Identität der Arbeitnehmer muss geschützt werden. Die Beschäftigten haben die Wahl, entweder eine anonyme Meldung zu machen oder ihre Daten beim Anbieter der Hotline zu hinterlegen. Bei der Veröffentlichung von Beschwerden löschen wir personenbezogene Daten, um den Beschwerdeführer zu schützen.

F: Können Sie die häufigsten Beschwerden der Arbeitnehmer nennen?

A: Bei über 60% handelt es sich um Verstöße gegen das Arbeitsrecht wie verlängerte Arbeitszeiten, Lohnzahlungen und Vergütung von Überstunden, Arbeitskonflikte usw. Arbeitnehmer rufen aber auch aus persönlichen Gründen an, um über private Probleme wie Trennungen, Heimweh und Einsamkeit zu sprechen.

F: Wie können wir sicherstellen, dass die Rufnummern der Hotline auch tatsächlich in den Betrieben ausgehängt werden? Gibt es weitere Kanäle, um eine solche Hotline bekannt zu machen?

A: Unserer Meinung nach ist der alleinige Aushang der Rufnummern nicht unbedingt ein zuverlässiger Indikator für eine gute soziale und ökologische Leistung seitens der Betriebsleitung. Deshalb ist es besser, den Betrieb vor Ort zu inspizieren und die Arbeitnehmer zu befragen, ob sie von den Hotlines wissen oder diese nutzen. Die Nachverfolgung der Anrufhäufigkeit ist ein weiterer wichtiger Indikator.

Wir machen die Rufnummern der Hotline bekannt, indem wir diese im Betrieb, in den Schlafsälen oder anderen Bereichen auf dem Firmengelände aushängen. Außerdem sind die Rufnummern auf unseren Visitenkarten vermerkt. Falls wir feststellen, dass die Geschäftsleitung die Arbeitnehmer an der Nutzung der Hotline hindert, schulen wir Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Umgang mit der Hotline und passen außerdem die Bewertung des Leistungsindikators des Betriebs an, wenn dieser nicht so offen und transparent agiert, wie wir es uns wünschen.

F: Gibt es noch weitere Beschwerdekanäle, die die Arbeitnehmer nutzen können?

A: Wir veröffentlichen zudem E-Mail- und Postadressen des Sozial- und Umweltteams. In den Betrieben sollten Kästen für Verbesserungsvorschläge aufgestellt, interne Newsletter versendet und „Schwarze Bretter“ angebracht werden. Außerdem haben die Beschäftigten jederzeit die Möglichkeit, im Rahmen unserer Audit-Gespräche Probleme anzusprechen.

F: 2009 teilte uns Juliana So vom CLSN mit, dass die Hotline in China erfolgreich ist wegen des Engagements vom CLSN und der Partnerschaft mit den SEA-Mitarbeitern bei der Lösung schwieriger Probleme. Wie sehen Sie das?

A: Nun, einige schwierige Angelegenheiten wurden gelöst, es wurden jedoch relativ wenig Zivilprozesse von den Beschäftigten innerhalb der Beschaffungskette angestrengt. Sinn und Zweck der Hotlines besteht nicht darin, Klagen zu unterbinden, sondern Beschwerden zu minimieren und den Betrieb zur Einhaltung der Gesetze aufzufordern. Wie wir aber wissen, ist ein Schiedsgerichtsverfahren manchmal die einzige Möglichkeit, einen Konflikt zu klären.

Wir hatten auch schon Fälle, in denen Arbeitnehmer Klage eingereicht haben, weil sie mit der innerbetrieblichen Entschädigung oder Abfindungen unzufrieden waren. Dies gilt insbesondere für Fälle, in denen Personen zu Schaden gekommen sind. Nach der jüngsten Einführung eines Haftungsrechts in China können die Beschäftigten nun sowohl Bürgerrechte als auch Arbeitnehmerrechte einklagen.

F: Juliana So sagte außerdem, ein weiterer Erfolg der Hotline seien die frühzeitigen Vermittlungsversuche, die die Notwendigkeit rechtlicher Schritte zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern senkten und den Arbeitnehmern grundlegende Informationen und Hinweise zu ihren Rechten gäben.

A: Die Abwicklung eines Zivilprozesses nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Die meisten Arbeitnehmer können sich eine solch lange Zeit ohne Beschäftigung oder die Anwaltskosten nicht leisten. Deshalb leiten so wenige von ihnen rechtliche Schritte ein. Wenn sich Arbeitnehmer aber doch dazu entschlossen haben, diesen Weg zu gehen, erhielten sie dank des Zugriffs der Hotline auf rechtsspezifische Informationen wertvolle Unterstützung, um ihren Fall vorzubereiten und sich bei den Verhandlungen mit ihren Arbeitgebern besser zu positionieren.

F: Welche Verbesserungen sind seitens der Hotline-Anbieter erforderlich?

A: Meiner Meinung nach ist es besonders wichtig, das Vertrauen der Arbeitnehmer in die Hotline zu stärken, besonders beim ersten Anruf. Personalstabilität und Mitarbeiterfluktuation im Call-Center stellen dabei eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Folglich sind permanent Schulungen erforderlich, um eine akzeptable Servicequalität beizubehalten. Es könnte auch von Vorteil sein, den Mitarbeitern der Hotline ein standardisiertes Kommunikationsskript zur Verfügung zu stellen.

F: Wie sieht die Zukunft der Arbeitnehmer-Hotlines aus? Was wäre das optimale Szenario?

A: Wir würden gern zusätzliche Dienstleistungen zum Ausbau der Problemlösungskapazitäten anbieten und die Aktivitäten ausdehnen, die dazu dienen, Beschwerdeführer und die Geschäftsleitung zur Beilegung der Streitigkeiten an einen Tisch zu bringen. Unsere eigenen internen SEA-Mitarbeiter benötigen weitere Schulungen, um die Nachverfolgung eingehender Hotline-Beschwerden zu optimieren. Außerdem ist mehr Werbung für die Hotline-Services sehr wichtig, um die Akzeptanz bei Arbeitnehmern und Geschäftsleitung zu erhöhen.

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