Mitarbeiterbeteiligung

Aus Sicht des Betriebsrates

Foto von Sabine Bauer

An dieser Stelle erläutert Sabine Bauer, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates in Deutschland und des Europäischen Betriebsrates, ihre Ansichten zum Sozial- und Umweltprogramm des adidas Konzerns sowie zu den Auswirkungen auf die Mitarbeiter.

F: Ist es Ihrer Meinung nach ein Sozial- und Umweltprogramm wichtig?

A: Ja, ich denke, ein derartiges Programm ist von entscheidender Bedeutung. Diese Themen sind den Mitarbeitern zunehmend wichtig – sie möchten wissen, wie sich das Unternehmen in Sozial- und Umweltfragen engagiert. Sie wollen keinesfalls für ein Unternehmen arbeiten, in dem nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

F: Ein Aspekt der Umweltstrategie ist das „Green Teams“-Programm. Ist dieses Programm geeignet, die Mitarbeiter stärker einzubinden?

A: In meinen Augen ist es ein guter Anfang. Wenn sich die Menschen mit etwas beschäftigen können, das ihnen wichtig ist, bauen sie eine emotionale Bindung zum Thema auf. Sie können dann als glaubwürdige Botschafter diese Thematik in Angriff nehmen und auch andere motivieren, aktiv zu werden.

F: Das Motto des HR-Teams lautet: „Engagement führt zu Leistung“. Wie erfolgreich ist das Unternehmen in Bezug auf Mitarbeiterengagement und Personalmanagement?

A: Das Unternehmen verfügt über sehr gute Rahmenbedingungen und erstklassige Instrumente. In einigen Bereichen gelingt es uns sehr gut, diese umzusetzen oder nachhaltig anzuwenden. Es gibt jedoch auch Bereiche, in denen noch immer Verbesserungspotenzial vorhanden ist.

F: Die Mitarbeiter scheinen dem adidas Konzern sehr verbunden zu sein. Besteht da kein Risiko, dass diese Loyalität ausgenutzt wird?

A: Theoretisch können Loyalität, Engagement und Enthusiasmus immer ausgenutzt werden – durch Vorgesetzte oder durch die Angestellten selbst. Aus diesem Grund sind Regeln und geeignete Instrumente unverzichtbar. Genauso wichtig sind Arbeitsbedingungen und Mechanismen der Mitarbeiteranerkennung, die ein gesundes und nachhaltiges Arbeitsumfeld sicherstellen.

F: Wir sind ein multinationales Unternehmen. Weiß das Unternehmen damit umzugehen?

A: Die besten Ergebnisse erzielen die Bereiche und Abteilungen, die über andere Kulturen nachdenken, diese respektieren und daraus lernen. Dies ist weithin sichtbar und dient als Vorbild. Selbstverständlich werden aber auch hier kontinuierliche Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt. Unsere Vielfalt ist eine enorme Stärke.

F: Wie sieht es mit geschlechtsspezifischen Fragen aus? Gibt es beispielsweise noch immer Unterschiede bei der Vergütung?

A: Es gibt noch immer Bereiche, in denen Frauen noch nicht die gleiche Gehaltsstufe erreicht haben wie ihre männlichen Kollegen. Und zweifelsohne besteht auch noch Verbesserungspotenzial, was den Prozentsatz der Frauen in leitenden Führungspositionen betrifft. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die Themen Teilzeit und Elternzeit zu nennen. Beide verdienen mehr Anerkennung und sollten als etwas Wertvolles betrachtet werden. Wir haben einige Frauen in leitenden Positionen, die in Teilzeit arbeiten. Dieser Anteil könnte aber durchaus höher sein. Wir sollten unsere Mitarbeiter noch mehr für ihren Beitrag zum Unternehmen wertschätzen und weniger für die Anzahl der Arbeitsstunden. Das wäre schon ein großer Schritt nach vorn.

F: Kommen wir nun zum gesellschaftlichen Engagement: Gibt es Ihrer Meinung nach ausreichend Möglichkeiten für die Mitarbeiter, sich zu beteiligen?

A: Wir verfügen über eine gute Basis, sollten das Engagement aber noch besser fördern. Den Mitarbeitern müssen unterschiedliche Möglichkeiten zur Beteiligung angeboten werden. Nicht jeder möchte sich in der Bildung oder der Kinderhilfe engagieren. Doch ich bin überzeugt davon, dass jeder etwas beizutragen hat, und aus diesem Grund spielt Vielfalt auch hier eine wichtige Rolle.

F: Wie viel Aufmerksamkeit widmet der Aufsichtsrat dem Thema Unternehmensverantwortung?

A: Er wird regelmäßig über Initiativen, Projekte und Ergebnisse informiert und auf den neuesten Stand gebracht. Für die Zukunft würde ich mir eine intensivere Beteiligung wünschen, um die ständig wachsenden und sich verändernden Anforderungen in diesem Bereich besser verfolgen zu können.

F: Wie würden Sie das Programm zur Unternehmensverantwortung des adidas Konzerns ausbauen und weiterentwickeln?

A: Zunächst einmal würde ich eine Arbeitnehmervertretung auf globaler Ebene begrüßen – einen Weltbetriebsrat sozusagen. Damit hätten wir eine Plattform für alle Mitarbeiter weltweit für den Austausch von Informationen und vorbildliche Maßnahmen.

Darüber hinaus hätte das Thema Unternehmensverantwortung einen höheren internen Stellenwert, wenn sich mehr Menschen in ihrer tagtäglichen Arbeit damit beschäftigen würden. Mehr Aufmerksamkeit würde zu mehr Engagement führen. Und ein höheres Engagement der Mitarbeiter führt meistens zu besseren Beiträgen und somit zu besseren Ergebnissen. Alles andere kommt dann von selbst.

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