Zusammenarbeit mit unseren Stakeholdern

Dialoge 2010

Im Jahr 2010 hat der adidas Konzern mehrere langjährige Dialoge mit der Zivilgesellschaft fortgesetzt, z. B. mit dem International Labor Rights Forum, dem National Labor Committee und dem Worker Rights Consortium in den USA sowie mit lokalen Gewerkschaften und Nicht-Regierungsorganisationen in Bangladesch, Kambodscha und Indonesien. Aufgrund anhaltender Bedenken hinsichtlich erzwungener Kinderarbeit auf den Baumwollfeldern in Usbekistan haben wir einen engen Dialog mit dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gesucht. In Indien sind wir an die Regierung des Bundesstaats Karnataka herangetreten und haben uns für eine ordnungsgemäße Umsetzung des Gesetzes zu Mindestlöhnen ausgesprochen. Und in Kambodscha haben wir die Regierung gebeten, sich für die Koalitionsfreiheit streikender Arbeitnehmer einzusetzen.

Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ war zweifelsohne der Höhepunkt des Jahres – sowohl für adidas als Sponsor als auch für mehrere unserer internationalen Stakeholder, die ihre Bedenken zum Thema Arbeitnehmerrechte in der Fußballbranche zum Ausdruck brachten. Daneben haben wir Kontakt zur Play Fair Alliance – einem Zusammenschluss aus Arbeitsrechtsaktivisten und Gewerkschaften – in Bezug auf die Olympischen Spiele 2012 in London aufgenommen.

In dem Abschnitt Fortschritte gehen wir darauf ein, inwiefern wir unsere Ziele für das Jahr 2010 erreicht haben. Im Folgenden beschreiben wir die wichtigsten Dialoge und Gespräche, die wir weltweit mit Stakeholdern im Jahr 2010 geführt haben. Diese werden wie folgt klassifiziert:

  • Kontaktaufnahme mit Regierungen
  • Sportveranstaltungen
  • Zivilgesellschaft

Kontaktaufnahme mit Regierungen

Entlohnung und Koalitionsfreiheit in Kambodscha

Der adidas Konzern hat gemeinsam mit vier anderen führenden Markenunternehmen in einem Schreiben an die Regierung Kambodschas seine Bedenken zu den gemeldeten Einschüchterungsversuchen und Drohungen gegenüber Gewerkschaftsvertretern aufgrund ihrer Teilnahme an einem landesweiten Streik für Lohnerhöhungen zum Ausdruck gebracht. Mitarbeiter des „Better Factories“-Programms der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) – in dessen Rahmen die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben des adidas Konzerns in Kambodscha überwacht werden – haben uns stets über die aktuelle Situation auf dem Laufenden gehalten und sich an die Regierung, die örtliche Herstellervereinigung sowie die Gewerkschaften gewandt und um Stellungnahmen gebeten.

Unsere Stellungnahme sowie eine Kopie des Schreibens an die Regierung finden Sie auf unserer Internetseite.

Durchsetzung von Mindestlöhnen durch die Regierung in Indien

Am 2. März 2009 gab die Regierung des indischen Bundesstaates Karnataka eine Anhebung der Mindestlöhne in der Bekleidungsindustrie bekannt. Dies war die erste Erhöhung der Grundlöhne seit 2001. Die Vereinigung der Bekleidungshersteller Indiens (Clothing Manufacturer Association of India, CMAI) stellte die Berechnung der neuen Mindestlöhne jedoch in Frage und reichte bei der Regierung einen Antrag auf Neuberechnung ein. Als Reaktion auf diesen Antrag forderte die Regierung des Bundesstaats den örtlichen Arbeitskommissar in einem Schreiben auf, die Zahlen zu überprüfen.

Trotz wiederholter Mahnungen an unsere Zulieferer, dass sie gesetzlich zur Zahlung der neuen Löhne verpflichtet seien, haben alle Zulieferer die Zahlung des neuen Mindestlohns verweigert. Ihre Argumentation lautete, dass sie zunächst die Prüfung durch den Arbeitskommissar abwarten müssten. Nach einem Jahr ohne ein wirkliches Ergebnis und mehrfacher erfolgloser Versuche verfasste der adidas Konzern ein Schreiben an den Arbeitsminister und wies auf das Versagen der Regierung hin, das Gesetz und den Mindestlohn für die Beschäftigten durchzusetzen. Am 30. März 2010 gab die Regierung von Karnataka dann einen neuen geltenden Mindestlohn bekannt, der unter dem vorher festgelegten Betrag lag. Der adidas Konzern reagierte umgehend und holte von all seinen Zulieferern die Zusicherung ein, den neuen Mindestlohn zu zahlen sowie sämtliche den Beschäftigten geschuldete Lohnrückstände auszugleichen. Dies galt auch für alle Mitarbeiter, deren Beschäftigungsverhältnis nach März 2009 endete.

Baumwolle in Usbekistan

Im Jahr 2010 gab es anhaltende Bedenken über die von der Regierung gestützte erzwungene Kinderarbeit während der Erntezeit auf den Baumwollfeldern Usbekistans. Wir sind einer Allianz internationaler Investoren, Markenunternehmen und Nicht-Regierungsorganisationen beigetreten, die die usbekische Regierung aufgefordert hat, diese Praxis zu unterbinden und die Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) in allen Punkten zu beachten. Wir haben verschiedene Schritte unternommen, um die Ziele der Allianz zu unterstützen:

  • Wir haben das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland in einem Schreiben darum gebeten, die usbekische Regierung zur Beendigung der Kinderarbeit zu drängen und gemeinsam mit der IAO an Verbesserungsmaßnahmen zu arbeiten. Die Bundesregierung bestätigte uns in ihrer Antwort, dass sie diese Angelegenheit bei der usbekischen Regierung vorgebracht habe.
  • Wir unterstützen unsere Materiallieferanten bei ihren Bemühungen, den Ursprung der in unseren Produkten verwendeten Baumwolle zurückzuverfolgen und zu bestätigen, dass sie wissentlich keine Baumwolle aus Usbekistan verwenden.
  • Unsere Zulieferer für Bio-Baumwolle haben uns bestätigt, dass ihre Fasern aus sicheren und zertifizierten Quellen stammen. Lieferanten für Bio-Baumwolle sind formell dazu verpflichtet, unabhängige Rückverfolgungssysteme einzusetzen.
  • Wir haben weitere Pilotprojekte zur Rückverfolgung des Ursprungs der von uns verwendeten Baumwolle durchgeführt und setzen diese gerade um.

Eine Stellungnahme zu unserer Position befindet sich auf unserer Internetseite.

Sportveranstaltungen

Playfair-Kampagne und die Olympischen Spiele 2012 in London

Die Kampagne Playfair 2012 wird in Großbritannien durch den Dachverband der britischen Gewerkschaften (Trades Union Congress, TUC) und das Bündnis „Labour Behind the Label“ (LBL) koordiniert. An der Kampagne nehmen zahlreiche Gewerkschaften und Organisationen teil, darunter die Internationale Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter-Vereinigung (ITBLAV) und die Clean Clothes Campaign („Kampagne für saubere Kleidung“, CCC). Die Kampagne setzt sich dafür ein, dass die Rechte aller Beschäftigten, die Sportbekleidung mit dem olympischen Logo produzieren, respektiert werden. Insbesondere hat die Kampagne Playfair 2012 gefordert, dass:

  • Verträge zwischen den Organisatoren und Sponsoren der Olympischen Spiele sowie den Zulieferern, die Produkte für Olympia produzieren, Klauseln enthalten, mit denen die Vertragsparteien an die Einhaltung international anerkannter Beschäftigungsstandards gebunden sind.
  • Standorte der Zulieferer sowie Ergebnisse von Betriebsprüfungen veröffentlicht werden.
  • Ein Verfahren für eine Beschwerdeeinreichung durch die Arbeitnehmer im Falle eines Verstoßes gegen Arbeitnehmerrechte eingerichtet ist. Diese Beschwerden müssen dann mit Einbindung der Gewerkschaften und örtlichen Arbeitsrechtsorganisationen bearbeitet werden.

Im Vorfeld der Spiele hat der adidas Konzern mit TUC, LBL und ITBLAV Kontakt aufgenommen und ein erstes Treffen veranstaltet, um sich über die Produktion olympischer Artikel und die Erwartungen der internationalen Arbeitnehmerrechtsbewegung auszutauschen. Als Sponsor der Spiele steht der adidas Konzern zudem in regelmäßigem Kontakt mit dem London Organising Committee for the Olympic Games and Paralympic Games (LOCOG), das für die Vorbereitung und Ausrichtung der Spiele 2012 verantwortlich ist. Wir haben uns außerdem mit Vertretern der „Commission for a Sustainable London 2012“ getroffen. Diese unabhängige Stelle ist dafür verantwortlich, die Nachhaltigkeit der Olympischen und Paralympischen Spiele 2012 in London zu überwachen und sicherzustellen. Aufbauend auf diesen Sitzungen wird 2011 in London ein formeller Stakeholder-Dialog mit verschiedenen Interessengruppen und Vertretern der Zivilgesellschaft stattfinden.

International Labor Rights Forum und die Industrie der Fußballherstellung

Im Vorfeld der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010TM hat das International Labor Rights Forum (ILRF) am 2. Juni 2010 eine Untersuchung veröffentlicht, in der es unter anderem um die Arbeitsplatzsicherheit und die Bezahlung von Leiharbeitnehmern in Pakistan geht, die handgenähte Fußbälle herstellen. Wir haben dem ILRF unsere Sichtweise zur Untersuchung mitgeteilt und Belege über die Bezahlung und Arbeitsbedingungen in den Nähereien und Produktionsbetrieben in Sialkot vorgelegt, in denen Bälle für adidas gefertigt werden. Im Oktober 2010 fand dann in Pakistan ein Folgetreffen mit dem ILRF und der Internationalen Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter-Vereinigung (ITBLAV) statt, bei dem die Ergebnisse der Untersuchung besprochen wurden. Bei diesem Treffen waren auch andere Einkäufer, Zulieferer und Vertreter der Handelskammer von Sialkot sowie ein Repräsentant der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) zugegen. Leider nahmen keine Regierungsmitglieder an dem Treffen teil. Bei der Sitzung stellten die Nicht-Regierungsorganisationen eine Reihe an Empfehlungen vor. Außerdem wurde vereinbart, dass zukünftige Treffen unter der Führung der IAO veranstaltet werden sollen.

Unabhängig davon hat das ILRF öffentlich zugängliche Informationen über das Programm des adidas Konzerns zur Einhaltung sozialer Standards geprüft. Dabei haben sie uns um unsere Kommentare und unser Feedback bezüglich ihrer Bewertung der Arbeitsbedingungen gebeten, unter denen Sportartikel und Fußbälle des adidas Konzerns produziert werden. Der Bericht des ILRF wurde als Profil auf www.Free2Work.org veröffentlicht. Der adidas Konzern wurde mit A- bewertet, der besten Note der zehn untersuchten Hersteller von Fußbällen.

Im Rahmen unserer fortwährenden Bemühungen, unsere Beschaffungskette transparenter zu gestalten, hat der adidas Konzern Anfang des Jahres eine Liste aller Zulieferer veröffentlicht, die Produkte für die Fußball-Weltmeisterschaft produzieren. Diese Auflistung beinhaltet auch Angaben zum Gewerkschaftsstatus der jeweiligen Betriebe.

Zivilgesellschaft

Die Kampagne von Leather Working Group und Greenpeace gegen die Abholzung des Regenwaldes

Die Leather Working Group (LWG) ist ein Zusammenschluss verschiedener Markenunternehmen, Einzelhändler, Produkthersteller, Lederproduzenten, Chemielieferanten und Technikexperten. Sie wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, Umweltrichtlinien zu erarbeiten, die speziell auf die lederverarbeitende Industrie ausgerichtet sind. Die als „Audit-Protokoll“ bekannten Richtlinien werden regelmäßig aktualisiert. Nähere Informationen finden Sie unter www.leatherworkinggroup.com

In allen Gerbereien, die Leder an die LWG liefern, werden Prüfungen durchgeführt. Dabei werden die einzelnen Betriebe entsprechend der Ergebnisse mit dem Status Gold, Silber, Bronze, Ausreichend oder Unzureichend bewertet. Wir haben uns verpflichtet, Leder nur von solchen Gerbereien abzunehmen, die mindestens den Bronze-Status vorweisen können.

Rückverfolgbarkeit von Tierhäuten

Ein Bericht von Greenpeace aus dem Jahr 2009 hat uns darauf aufmerksam gemacht, wie sehr der zunehmende Ausbau der Viehzucht im Amazonas-Gebiet zur illegalen Rodung des dortigen Regenwaldes beiträgt. Als Reaktion auf diesen Bericht setzen sich der adidas Konzern und andere Unternehmen wie z. B. IKEA, Nike, Timberland und New Balance gemeinsam mit Greenpeace und anderen Nicht-Regierungsorganisationen dafür ein, die Gesamtsituation im Amazonas-Gebiet zu verbessern. Wir haben unsere Anstrengungen über die Leather Working Group kanalisiert. Unser erster Schritt bestand darin, gemeinsam mit den Rinderzuchtbetrieben und der Fleischindustrie ein nachvollziehbares und transparentes System einzurichten, um nachzuweisen, dass die in den Produkten des adidas Konzerns verwendeten Ledermaterialien ausschließlich von Tieren stammen, die nicht auf illegal gerodetem Weideland gezüchtet wurden.

Es wurden folgende Entscheidungen getroffen bzw. Maßnahmen umgesetzt:

1. Aufteilung der Rinder-Fleisch-Leder-Beschaffungskette in zwei Teile, die unabhängig voneinander betrachtet werden:

  • Die Beschaffungskette von den Schlachthöfen zurück zu den Rinderzuchtbetrieben wird durch die fleischverarbeitenden Betriebe überwacht.
  • Die Beschaffungskette von den Lederherstellern zurück zu den Schlachthöfen wird durch die Gerbereien über das „Audit-Protokoll“ der Leather Working Group überwacht.

2. Große fleischverarbeitende Betriebe haben sich verpflichtet, nur Tiere von solchen Zucht- oder Mastbetrieben zu verarbeiten, die eine Reihe an speziellen Anforderungen erfüllen. Dazu zählen beispielsweise eine umfassende Vermessung der flächenmäßigen Größe des Betriebs per GPS und Zertifizierungen des brasilianischen Ministeriums zum Schutz der Umwelt, indigener Gebiete und zur Verhinderung von Sklaverei. Die fleischverarbeitenden Betriebe haben erklärt, dass seit November 2010 die meisten Zuchtbetriebe, die diese großen Schlachthöfe beliefern, die genannten Anforderungen erfüllen.

3. Die Gerbereien haben zugestimmt, ihre Häute mit einem speziellen Code zu versehen, durch den sie zum jeweiligen Schlachthof zurückverfolgt werden können. Dieser Schritt geht mit dem Vorgehen der fleischverarbeitenden Betriebe einher (siehe Punkt 2). Dadurch können wir das gesamte Leder, das in unseren Produktionsbetrieben verarbeitet wird, zu den Zuchtbetrieben zurückverfolgen.

4. Im Rahmen des LWG-Protokolls wurde eine Klassifizierung zur Rückverfolgbarkeit von Tierhäuten erarbeitet. Wir verpflichten uns, nur Leder von solchen Gerbereien abzunehmen, die uns den Ursprung ihrer Häute (bis hin zum jeweiligen Schlachthof) nachweisen können. Diese Praxis ist bereits umgesetzt und wird von all unseren Leder-Zulieferern eingehalten, die einem Audit der LWG unterliegen.

Bitte lesen Sie auch den Standpunkt von Greenpeace.

Worker Rights Consortium – Brandschutz in den Betrieben in Bangladesch

Anfang März 2010 hat das Worker Rights Consortium (WRC) ein Schreiben an den adidas Konzern sowie Lizenznehmer US-amerikanischer Universitäten und andere Markenunternehmen gerichtet, in dem es zu „branchenweiten Lösungen“ in Bezug auf Brandschutzprobleme in den Produktionsbetrieben in Bangladesch aufrief. Diesem Aufruf des WRC ging ein Brand in der Garib & Garib Textilfabrik in Dhaka voraus, bei dem 21 Beschäftigte ums Leben kamen und zahlreiche andere schwer verletzt wurden. Obwohl Garib & Garib nicht für den adidas Konzern produziert, teilen wir die Bedenken des WRC bezüglich des schlechten Brandschutzes und der schlechten Elektrosicherheit in zahlreichen älteren Produktionsbetrieben in Dhaka.

Wir haben auf den Aktionsplan des WRC umfassend reagiert und an mehreren Multi-Stakeholder-Gesprächen teilgenommen. Vor Ort in Dhaka haben wir die Bedingungen in jedem der neun Zulieferbetriebe, die zu dieser Zeit für den adidas Konzern fertigten, geprüft und die Sicherheitsverantwortlichen in diesen Betrieben zusätzlich geschult. Außerdem haben wir eine lokale Nicht-Regierungsorganisation geschult, wodurch die Häufigkeit von Brandschutzprüfungen erhöht werden konnte.

Bericht des National Labor Committee zum Produktionsbetrieb Chi Fung in El Salvador

Das National Labor Committee (NLC) hat Anfang Februar 2010 in einem Bericht mehrere Verstöße gegen Beschäftigungsstandards angeprangert sowie Vorwürfe in Bezug auf ineffektive Audits im Zulieferbetrieb Chi Fung in El Salvador vorgebracht. In diesem Betrieb wird NFL-Bekleidung für Reebok gefertigt.

Der adidas Konzern hat von den Vorwürfen gegen Chi Fung Ende Januar 2010 erfahren und ein angesehenes Mitglied der lokalen Zivilgesellschaft beauftragt, eine Untersuchung einzuleiten. Daraufhin begann ein Expertenteam aus Juristen, Ökonomen und Arbeitsschutzfachleuten am 23. Februar 2010 mit der Arbeit. Zunächst überprüften sie Lohnunterlagen bis zum Jahr 2006, befragten Dutzende Beschäftigte am Standort und außerhalb, bewerteten die Managementsysteme und -prozesse des Betriebs und führten eine sorgfältige Inspektion der technischen Infrastruktur in der Produktionshalle durch. Die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung wurden uns am 15. März 2010 zur Verfügung gestellt, wobei sich einige Vorwürfe des NLC bestätigten. Bei allen Regelwidrigkeiten wurden umgehend Abhilfemaßnahmen eingeleitet.

Handeln

Den Vorwürfen bezüglich der Verstöße gegen die Arbeitnehmerrechte sind wir vollständig nachgegangen. Sämtliche Überstunden erfolgen absolut freiwillig und werden ordnungsgemäß vergütet. Alle Vergütungsleistungen werden zudem bei der Regierung registriert, darunter auch das Bonusprogramm. Zudem wurden interne und externe Kommunikationskanäle eingerichtet, damit die Beschäftigten Missstände, darunter Beschwerden über Belästigungen durch Vorgesetzte, melden können. Im Hinblick auf die Vorwürfe im Bereich Arbeitsschutz und -sicherheit wurden bereits Korrekturmaßnahmen bei der Hygiene der Sanitäranlagen, bei der persönlichen Schutzausrüstung, der elektrischen Verkabelung sowie der Belüftung umgesetzt. Auch hinsichtlich der Präventivmaßnahmen im Wartungsbereich wurden Verbesserungen erzielt und zudem zusätzliche Mitarbeiter für Reparaturarbeiten abgestellt. Eine Überwachungskamera, die als Sicherheitsmaßnahme in der Nähe der Waschräume installiert war, wurde versetzt.

Die Vorwürfe in Bezug auf ineffektive Audits sind allerdings weitaus komplexer. Bei früheren Audits in der Fabrik Chi Fung wurden durch die Mitarbeiter des adidas SEA-Teams seit 2003 verschiedene Verstöße festgestellt und behoben. Als Hindernis für eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen erwiesen sich dabei Widersprüche zwischen den Maßnahmen der Einkäufer von Chi Fung auf der einen Seite und der Durchsetzung von bestehenden Arbeitsgesetzen durch die Aufsichtsbehörde des Arbeitsministeriums auf der anderen Seite. Wir werden auch weiterhin mit der Regierung in El Salvador zusammenarbeiten, um die Effizienz der nationalen Aufsichtsbehörden zu steigern und die Umsetzung von Arbeitnehmerrechten sowie Gesetzen zum Arbeits-, Sicherheits- und Gesundheitsschutz zu fördern.

Lesen Sie auch unsere Stellungnahme zu den Vorwürfen auf unserer Unternehmenswebsite..

Clean Clothes Campaign – Arbeitsplatzbedingungen in den Produktionsbetrieben Ching Luh und Framas in China

Die Bedingungen in den Produktionsbetrieben und die Rechte der Arbeitnehmer waren im gesamten Jahr 2010 ein hochaktuelles Thema und das wichtigste Anliegen zahlreicher Stakeholder. Im Juni 2010 hat die Clean Clothes Campaign („Kampagne für saubere Kleidung“, CCC) Deutschland einen Bericht über zwei Zulieferbetriebe veröffentlicht, die Produkte für den adidas Konzern in China fertigen. Dabei handelt es sich um einen Schuhproduktionsbetrieb und einen Komponentenzulieferer. Wir haben eine Untersuchung eingeleitet, um die Vorwürfe zu überprüfen und der CCC eine umfangreiche Stellungnahme zu jedem Punkt vorlegen zu können. Der Großteil der Bedenken bezog sich auf die Arbeitsbedingungen bei Ching Luh, einem großen Sportschuhproduzenten. Einige der Anschuldigungen aus dem Bericht bekräftigten sich nicht. Andere hingegen bestätigten sich in Befragungen von Beschäftigten und Führungskräften sowie bei der Durchsicht der Unterlagen. Ching Luh reagierte positiv und unternahm Schritte, um die Probleme zu beheben. Wir überprüften dies und konnten Verbesserungen bei der Einstellungspraxis, der Bearbeitung von Urlaubsanträgen, bei Lohnabschlusszahlung nach Kündigung, bei Bonuszahlungen sowie beim Rotationsverfahren für Beschäftigte im Umgang mit gefährlichen Chemikalien verzeichnen.

Oxfam Australia und Indonesien

Die australische Organisation Oxfam Australia beobachtet bereits seit mehr als zehn Jahren die Arbeitnehmerrechte in Indonesien und setzt sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben des adidas Konzerns ein. In Indonesien bemängelt Oxfam Australia vor allem die Sicherheit der Arbeitsplätze und die fehlende Möglichkeit der Arbeitnehmer, ihr Grundrecht auf Koalitionsfreiheit durch Gewerkschaftsmitgliedschaften auszuüben.

Lesen Sie mehr über die Kampagne von Oxfam Australia.

Im Mittelpunkt unseres Engagements 2010 standen folgende drei Themen, denen allesamt Dialoge über mehrere Jahre vorausgingen:

  • Wir sind dem Aufruf von Oxfam Australia gefolgt und haben unser Versprechen gehalten, uns für die Einstellung ehemaliger Gewerkschaftsvertreter und anderer einzusetzen, die aufgrund von Betriebsschließungen ihren Arbeitsplatz verloren hatten.
  • Wir trafen uns mit Oxfam Australia und haben uns über spezielle Themen und Probleme in den Betrieben sowie zu den Verstößen gegen Gewerkschaftsrechte ausgetauscht. Dabei haben wir z. B. auch das Einschreiten der Polizei beim Durchbrechen einer Streikpostenkette besprochen, bei dem mehrere Beschäftigte verletzt wurden.
  • Darüber hinaus haben wir Informationen zu den bisweilen mangelhaften Einstellungsverfahren bei unseren Zulieferern offen und transparent dargelegt.

Indonesien ist seit Jahren eines unserer wichtigsten Beschaffungsländer in Asien. Dadurch konnten wir stetige Fortschritte und Verbesserungen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen im Land beobachten. Dennoch erkennen wir auch an, dass unsere Lieferanten weiterhin mit bestimmten Herausforderungen konfrontiert sind, um unsere und die Erwartungen internationaler Nicht-Regierungsorganisationen zu erfüllen.

Im Mai 2010 haben wir eine Stellungnahme zu den Bedenken von Oxfam Australia auf unserer Website veröffentlicht.

Wir haben mit Oxfam Australia und der ITBLAV bei der Erarbeitung eines Protokolls zur Koalitionsfreiheit in Indonesien eng zusammengearbeitet. Der adidas Konzern hat die führende Rolle in einem Gremium aus Zulieferern und Markenvertretern mit dem Ziel einer engen Zusammenarbeit mit der Gewerkschaftsbewegung in Indonesien übernommen. Dadurch soll ein grundlegender Rahmen für die Umsetzung von Gewerkschaftsrechten am Arbeitsplatz geschaffen werden. Nach einjährigen Verhandlungen wurde schließlich eine Vereinbarung über ein vorläufiges Protokoll erzielt, das an andere Markenunternehmen und Zulieferer der Sportartikelbranche in Indonesien weitergeleitet werden soll. Wir sind zuversichtlich, dass wir damit einen entscheidenden Maßstab für Zulieferer setzen und dass die Bestimmungen des Protokolls die unterschiedlichen Erwartungshaltungen angleichen können. Wir hoffen, dass damit Missverständnisse zwischen Betriebsleitung und Gewerkschaftsvertretern bezüglich Gewerkschaftsaktivitäten, Beitrittsrechten usw. reduziert und infolgedessen die Arbeitsbeziehungen in der Branche insgesamt verbessert werden können.

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Leistung zählt, und wir möchten dem Leser mit unserer Berichterstattung unsere Leistung erläutern.

Daher ist bei dem diesjährigen Bericht auf jeder Seite erkennbar, welche Indikatoren der Global Reporting Initiative (GRI) wir adressieren und inwieweit wir den GRI-Index erfüllen.